[banq.de - Kopfbild] 19.06.2013: "Strandhighway" von s.sx
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Ansichtssachen

kolumne nummer fünf - rümpf das einatmungsorgan

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kolumne nummer fünf - rümpf das einatmungsorgan

im kaltnebeligen mai mache ich mich schick mit schwarzem hemd, krawatte, jeans, bugattitretern und schreite zur ausstellung der lichtinstallationskünstlerin. vor wenigen tagen hingen wir schon im blue note ab - eine virtuose jazzgroup performte wie wahnsinnig, wir tranken, lachten, kurz: ein positiver grundflow, verinnerlichte ich jenen, denn RAR sind die zeiten.

jetzt rein in die ausstellungshalle und nachdem sie einen aufdringlichen älteren herrn verabschiedet, sitzen wir uns auf zwei holzstühlen in einskommafünf metern gegenüber, nebenan nach oben gerichtete lichtdome, sagen wenig, unsere gesichtszüge eher richtung boden, denn wir beide sind: MÜDE. zur kunst fällt mir außer phallussymbol nichts ein. um den ansatz einer geistreichen konversation zu markieren, erzähle ich von meinem gestrigen dreizehnstündigen arbeitstag - das geht nach hinten los und sie erwidert, daß sie mit der installation ihre letzte zwölfjährige beziehung verarbeitet und eine minute später: sie ist für eine neue beziehung noch nicht bereit. können wir nicht das thema wechseln, frage ich. wir wechseln die straßenseite, dort steht ihr auto, umarmen uns dünn, dürr die wortwahl, ich trage ein großes holzbrett vor meinem kopf, darauf steht: VOLLIDIOT.

den schalter umlegen, ich treffe danach ralle und falte im thalia. RALLE - durchschnittsnachbar in der sächsischen wohnungsgenossenschaft, hat sich neulich wegen vorhandener decke auf gemeinschäftsgrünfläche mit dem hausmeister angelegt, letzterer aktuell mit großem portrait in der sächsischen zeitung: er ist in seiner freizeit überengagierter schiedsrichter, das passt wunderbar zusammen. FALTE - dauergrinsender rumäne mit mafiosen gesichtszügen - empfiehlt sein heimatland: goldberg, da musst du nur ins cafe rein, smartphone, autoschlüssel aufn tisch und schon bist du chef. die (neue?) thaliabedienung bedient vorzüglich, sie ist hochgradig KILLAAAH and the star of the night, und bevor ich die einrichtung zusammenHACK, schnell raus, auf dem bürgersteig: ein ehemaliges ensemblemitglied vom staatsschauspiel. sie ist jetzt in potsdam tätig und geht nach rechts - ich nach links.

habe hunger und stille ihn mit einem hell-burger im rosi’s. lese einen bericht über den tagnacht-tourablauf berliner technogrößen over europe. einer scheint tatsächlich regelmäßig sport, ausreichend schlaf und keinen alkohol zu verinnerlichen.

nächsten tag eine große überportion spaghetti im stammcafe, leider hat die köchin das auch auf die tomatensauce bezogen, have a look: SUPPE mit nudeln.

der übernächste tag beginnt mit motivationsproblemen, meine TUNEnabe knackt trotz neuer lager, es kann nicht von der nabe kommen, sagt der radgüttler, lege das mavic aksium race hinterrad ein und starte gegen dreizehnuhrdreißig, am anfang immer kleine gänge wählen, electronics im ohr, am ortsausgang geht der radweg jetzt bis weißig, bei rossendorf carefull das große kettenblatt antesten, langsam kommt der flow, kommen die nudeln, oder ist das nur der rückenwind. meine lieblingskurve zwischen oberottendorf und putzkau nehme ich mit cirka fünfundvierzig, die nachfolgende abschüssige gerade wird schön ausgefahren: zwischen fünfzig und sechzig - KICK DOWN ODER VERSUCH ÜBER JAN. zwischen neukirch und steinigtwolmsdorf neuer asphalt und dann auf der rechten seite mein lieblingsschrauber: AUTO CHECK FRED KRENZ. den berg runter nach wehrsdorf mit um die siebzig, mein vorderrad flattert, ist mein vorlauf zu kurz, liegts an der sitzhaltung, rechts das große bauernhaus der vorfahren, durch einen kreisel, wieder berg hoch, ankunft friedhof großmutter. onkel nicht da, kaffee und kuchen beim bäcker mit tiefer decke im umgebindehaus. es hagelt eine minute - ich trinke innerhalb und rückfahrt, wenig kraft, gegenwind, wo sind die nudeln, wo sind die durchtrainierten gesäße, welche mir windschatten geben. kurz vor bischofswerda meine persönliche NOTtankstelle: cola, bounty, knoppers. unter der woche ab neunzehn uhr ist die B6 richtung heimstadt relativ frei von ka ef zett, der wind läßt nach, der lichtball strahlt mir im abendlichen gelborange entgegen, frei von frauen, schulden und anderem gedöns kurbelt es sich noch immer am besten.

ankunft: original onehundretthirty kilometers, sportgelduschen, bugattitreter anlegen, adidas natural spray verstäuben, am bischofsweg posen und los zur release party von AMINOSOUND..daß sie zum finest electronic underground der stadt zählen, meinetwegen, verwegen: daß nur vier tanzwillige und gefühlte fünfzehn weitere abhänger erscheinen, an der location kanns nicht liegen, die ist gediegen overground mit treppenaufgang. ich konsumiere radler, wippe mit den absätzen und fühle einen nächtlichen flow am mittigen woch -- noch kann ich es: FÜHLEN.

goldberg (06.05.2011)
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