[banq.de - Kopfbild] 20.05.2013: "Gartenhaus" von Kensaro
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kolumne nummer neun

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kolumne nummer neun

sonntags träum ich vor mich hin und manipuliere an meinem körper. das ist nicht erfüllend, ich breche ab. zum glück sucht rita einen hfbk-begleiter, den sie mit neuesten infos aus ihrem scheidungskrieg zutexten kann.

wir fahren rad, ihr sohn hat wenig luft auf seinem hinterrad, hat du ne luftpumpe? nö, und verschweige schweinemäßig, daß meine hardcorerennradprofistandpumpe eigentlich nur 200 meter um die ecke steht. aber es ist sonntag, ich will präsentieren und nicht pumpen.

ankunft kunsthochschule, der sohn zeigt mir, daß man einen helm auch ans schloß schließen kann, ich wollt schon mit trinkflasche und helm am kopf in die bude...hohe hallen hier, erst mal nach links zu einer videoinstallation über ein höhlensystem bei odessa, wo menschen teilweise wohnten, sich im krieg versteckten, wandmalereien und gefährliches grundwasser inclusive. zur zeit hängen dort junge leute ab, trinken, diskutieren bei kerzenschein und gitarrenmusik. der ganze film wird immer wieder von schönen graphikanimationen unterbrochen. ich lege die kopfhörer am ande ab, leider habe ich den namen der künstlerin vergessen, meine begleitung ist weg, ich latsche die großen kunsthochschulgänge lang, links die bewacher, rechts die geöffneten ateliertüren. highlight hier: ein auf allen vieren sich ab und an bewegender roboter in menschenfigur, titel: autonomer. das wird musikalisch umrahmt von ca. 30 (grenzanlagen- oder stasi-?) sirenen, die alle halbe stunde oder so einen höllischen lärm verursachen; die freundliche dame am eingang, mit milimeterfrisur und arbeitsklamotten der autonomenfigur nicht unähnlich, sagt aber immer kurz vorher bescheid. ich hechte weiter von atelier zu atelier, TRÖÖÖÖT macht es aus der ferne - mein kunstsachverständiger jörn hat heute leider keine zeit, sonst wärs interessant, er hat immer was zu erklären…

zum schluß zieht es mich in die abgedunkelte halle zu weiteren videos. ein künstler präsentiert vier stück:…ein mal zeigt er eine versoffene männer- (urlaubs-?) wg beim aufstehen, nouvellevaguemäßig in schwarzweiß gedreht, ein ander mal eine zwanzigminütige sequenz, wo der hauptdarsteller und künstler in personalunion, von hinten gefilmt, auf einem plastikstuhl auf einem syrischen hügel sitzt, aus dem off eine schwer verständliche stimme beziehungsgedanken zu vielen leuten in jena, leipzig, berlin etc. spricht, eher nuschelt. dann steht er auf und es folgt eine fünfminütige tanzeinlage nahe am abgrund, untermalt von cooler elektromucke irgendwie im 80er jahrestyle. bei seinem dritten kurzfilm, oder ist es noch der erste, flaniert er durch eine große französische stadt, mutmaßlich paris, die handkamera, die er trägt, abwechselnd auf sein gesicht, in schaufensterscheiben oder auf passanten gerichtet. in einem ubahnschacht spielt ein kleines streichorchester, das ist schon komisch, akkordeon, alleinunterhalter oder ein einzelner geiger meinetwegen, aber ein ganzes kammerorchester, wo gibt’s denn sowas? sie spielen eine kleine nachtmusik, intonationsmäßig und im zusammenspiel nicht so schön wie die streicher der sächsischen staatskapelle dresden, aber wenn musikstudenten(?) den ganzen tag in einem windigen ubahnschacht vor sich hin fideln, no prob…eine asiatische frau, vielleicht die orchestermanagerin, kommt zum filmemacher und versucht ihn zum cdkauf zu überreden…er windet sich salbungsvoll beim betrachten der cd und macht kurz small talk, im tonspur-hintergrund die geschäftigen geräusche eines stark frequentierten ubahnschachts…

ich verlasse die hfbk und bin froh, daß normalerweise dresdner musikstudenten zum überleben nicht in ubahnschächten spielen bzw. die müßten ja erst nach berlin und dann das ganze spritgeld…naja…blöder schluß.

goldberg (25.08.2011)
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