in dem die Tille gebuchte Künstler ausführlich vorstellt, wollen wir die SPEZIAL-Reihe aktueller halten und auch den Veranstaltern hier die Möglichkeit geben, ihre Acts in weiterem Rahmen zu präsentieren.
In den Printstadtmagazinen ist die Länge der Artikel, die auf eine Veranstaltung hinweisen, ja höchst begrenzt und Möglichkeiten aktueller Technik, wie das Einbinden von Sounds und Videos oder Verlinkungen zu noch vertieferenden Informationen, können erst recht nicht geboten werden.
Somit können wir jetzt auch die Pressemitteilungen aufwerten, die ja in der Regel eher stiefmütterlich behandelt werden.
Mit dem banq.de-Künstlerportrait-SPEZIAL hoffen wir, euch schon im Vorfeld auf eine Veranstaltung gut vorbereiten zu können.
Science Fiction hat einen Namen: ONYX ASHANTI! Aus iPhone, Midi-Blasinstrument und Arduino-Controllern baut der verrückte US-Amerikaner sein BEATJAZZ SYSTEM - es macht Onyx’ Körper zu einem Mensch-Maschine-Instrument, das über Geräte an Armen, Händen und Kopf gesteuert wird. Am 20.01.2012 begrüßen wir Onyx Ashanti in unserer Reihe „Coq au Vin“ in der Groovestation. Dieser elektro-musikalische Cyborg zeigt in seiner Live-Performance was passiert, wenn sich Künstler, Erfinder und Futurologe in einer Person kreuzen! Das Ergebnis seiner 20 Jahre dauernden Konzeptualisierung führt Onyx Ashanti auf seiner Reise von Kalifornien über New York, London und Berlin nun endlich nach Dresden. Dabei spielte und produzierte er bereits für Namen wie Soul II Soul, Basement Jaxx und Marshall Jefferson.
Zur Seite steht ihm DJ und Produzent TOMTOMGROOVE vom Erfurter Label Polyfon. Mit seiner Mischung aus House und Elektro erzeugt er genau den richtigen Drive auf der Tanzfläche, wovon er nicht nur regelmäßig die unterschiedlichsten Floors in Europa überzeugt, sondern auch schon mal die Juroren der Red Bull Music Academy. Dazu als Gastgeber die Herren Kokü mit Unterhaltungselektronik à la Breakbeat, House und einer Prise Dubstep! Und da das Ganze einfach zu abgefahren klingt, haben wir Onyx und seinen Kollegen Tom natürlich um Rede und Antwort gebeten, was die beiden auch gern und ausführlich im folgenden Interview taten:
Tanzatelier Kokü: Onyx, woher stammst du eigentlich ursprünglich? Es gibt ja zig Stationen rund um den Globus in deiner Biographie nachzulesen. Kannst du uns einen kurzen Überblick über die wichtigsten Punkte in deinem Leben geben - persönlich und natürlich auch als Musiker! Onyx Ashanti: Stimmt, ich habe bereits an den verschiedensten Orten gelebt. Ursprünglich komme ich aus Mississippi, USA. Das ist auf eine gewisse Art und Weise schonmal wichtig für mich - denn es war ein sehr einfacher und großartiger Ort, um Kind zu sein. Viel Platz und nicht so viele offenkundige Gefahren, die ich wahrnehmen konnte - dank meiner Eltern. Von dort aus ging ich aufs College in Louisiana, ließ es aber bald wieder zurück nachdem ich Angst davor bekam, einen Abschluss und einen Job zu bekommen, in dem ich Musik unterrichten anstatt spielen würde. Ich habe also abgebrochen und bin dann nach Atlanta, Georgia gezogen - dort entdeckte ich in einem Pfandhaus auch meinen ersten Midi Wind Controller! Ich beschloss, dass der beste Weg um das Gerät kennenzulernen darin besteht, meinen Job in einem Candy Store zu kündigen und stattdessen auf der Straße zu performen. Das ging etwa 5 Jahre lang so, bis Ende 1996 nach den Olympischen Spielen.
Der nächste Punkt war Kalifornien, wo ich mir meine Zeit sowohl in San Francisco als auch in Los Angeles vertrieb. In SF habe ich meine Performance auf der Straße und meine technischen Fähigkeiten mit dem Controller und dem Computer verfeinert. In LA war ich dabei ein wenig Promoarbeit für Yamaha zu machen, ich demonstrierte ihren neuen Wind-Controller und spielte ihn auf Raves und Underground-Partys rund um Süd-Kalifornien.
Die "Wahl" von George W. Bush zum Präsidenten hat mich dann dazu veranlasst nach Möglichkeiten außerhalb der USA zu suchen - so zog ich nach Amsterdam, beschloss aber nach kurzer Zeit nach London zu gehen, wo ich in den ersten zwei Jahren als Hausbesetzer lebte und auf den dazugehörigen Partys spielte. 2003 entdeckte ich einen kleinen Club in Brixton, der sich „Tongue and Groove“ nannte und mir meinen Sound zu definieren half. Von da an arbeitete ich mit einer Menge DJs und Produzenten aus der House- und DnB Szene zusammen, darunter auch eine Tournee mit Soul II Soul!
Später bin ich wieder in die USA zurückgezogen und verbrachte einige Zeit in New York und San Francisco, im Jahr 2008 entschied ich mich dann aber nach Berlin zu ziehen, und voilà: hier lebe ich seither!
Tanzatelier Kokü: In all diesen Metropolen gab es sicherlich viele Einflüsse auf dich und deine Entwicklung durch die verschiedensten Musikstile - welche sind davon wirklich relevant, so dass sie bis heute eine spürbare Wirkung auf dich haben? Onyx Ashanti: Die für mich wohl bedeutendste Stadt in der ich je gelebt habe ist definitiv London - ich schätze die wahrscheinlich immer noch wichtigste Stadt in Sachen Musik überhaupt. Ihre Kultur ist besonders feinfühlig was die Entwicklung und Verbreitung von neuen Musikgengres angeht. Die Briten lieben das Schubladendenken. Trainspotting, wenn man so will! Ändert sich ein kleines Details eines Genres, so wird das registriert, umbenannt und katalogisiert (wie der Wechsel von Jungle über Drum and Bass bis hin zum Two-Step-Drum and Bass). Hinzu kommt die Londoner Piratensender-Kultur, wo selbst ein Hinterzimmer-Produzent einen geilen Track kreieren, ihn zum Sender bringen und gleich von ein paar tausend Menschen gehört werden kann. Das allein ist schon ziemlich abgefahren - aber noch besser ist, dass die großen Sender nicht versuchen die Piranten zum Schweigen zu bringen. Im Gegenteil, sie schauen auf die Kleinen um herauszufinden, was gerade angesagt ist - der Produzent aus dem Hinterzimmer kann so binnen einigen Wochen zu den ganz Großen gehören. Die Stile wachsen und entwickeln sich dadurch also ständig weiter.
Außerdem bin ich noch nie auf eine fundiertere Zuhörerschaft gestoßen als in London. Clubbing ist dort kein Kindersport! Ich habe mit Leuten gefeiert und für sie gespielt, die seit den 80ern in der Szene unterwegs sind und mittlerweile Familie und feste Arbeitsplätze haben. Der Höhepunkt war für mich der winzige Brixtoner Club „Tongue and Groove“, wo ich Samstag Nachts einen DJ namens Eric Miller begleitete - es war legendär! Der Raum schwebte nur so. Und dazu eine Türpolitik, die nach deiner Stimmung und nicht nach deinem Aussehen ging. Das machte die Partys einfach unglaublich - die beste Location die ich je hatte und gegen die ich seitdem jeden meiner Gigs aufwiege.
Neben London war es vor allem noch die Rave-Szene der späten 90er in Kalifornien, die mich elektronische Musik verstehen und begreifen lies - was sie alles sein kann und sich heutzutage wieder bemühen sollte zu werden. All das ist seither in meinem Kopf fest verankert!
Tanzatelier Kokü: Zur Zeit arbeitest du an einem Projekt namens Beatjazz, in dem du dich in eine Art "musikalischen Cyborg" verwandelst. Erzählen uns mehr! Worum es geht und was treibt dich dabei an? Ist es Kunst, ist es Party - oder schlicht beides?! Onyx Ashanti: Haha, also der Cyborg-Part ist eine natürliche Folge meines hautengen Interface-Designs. Beatjazz ist Live-Performance, Sound-Design, Jazz-Improvisation und parametrierte Bewegung in Einem. Dabei bezieht sich "Beat" auf die Bezeichnung für elektronische Rhythmen und "Jazz" auf die Improvisation über und innerhalb dieses Rhythmus. Es ist mein Konstrukt um sich vollkommen frei auszudrücken, begrenzt allein durch den Groove. Der Groove oder der "Beat" bietet die nötige Einschränkung, es begrenzt meinen Raum, damit es nicht zu sehr Kunst wird - gibt mir aber gleichzeitig auch die Freiheit zu gehen, wohin das Gefühl mich gerade trägt. Ich muss also nicht die gleichen Dinge immer und immer wieder bis zum Überdruss spielen.
Dieses improvisationelle Konzept habe ich kreiiert, nachdem meine Mutter bei einem Autounfall starb. Sie mochte das Leben das ich für mich und meine Musik aufgebaut hatte wirklich sehr. Nachdem sie starb begann ich mein Leben neu zu bewerten und beschloss, ehrlich zu sein zu mir und zur Musik. Ich machte eine klare Unterscheidung zwischen zwischen "Musik" und "Songs". Und ich habe mich entschieden „Musik“ zu machen, live! Beatjazz ist das aktuelle Ergebnis hieraus.
Im gewissen Sinne lasse ich dem System sagen, was es von mir möchte. Die Wireless-Controller kamen zum Beispiel zustande, weil es mit der aktuellen Technik überhaupt erst möglich war. Seitdem ich sie gebaut habe, ist das Gefühl da, dass die Maschine jetzt ein Teil von mir ist. Ich muss es nicht halten - einfach anziehen und "losspielen". Es interpretiert meine Bewegungen und und übeträgt sie in viele Datentypen auf einmal. Daher also die „Cyborg“- Bezeichnung: es ist ein Teil von mir!
Tanzatelier Kokü: Wie können wir uns eine deiner Live-Sessions vorstellen, wie du sie uns präsentieren wirst? Ist deine Performance nachvollziehbar für die Leute? Und wie viel ist in deiner Show wirklich improvisiert?! Onyx Ashanti: Wenn ich auftrete, dann beobachte ich dich. Ich versuche, die Stimmung im Raum zu lesen und gebe ihr einen Track, der zunächst sinnvoll sein kann oder auch nicht - aber wenn er sich aufbaut, verfeinert er sich zu einem Datensatz, der auf allem basiert: den Menschen, den Lichtern, den DJs, dem Barpersonal... alles wird interpretiert, live.
Alles was ich in diesem Kontext mache ist improvisiert. Ich gehe absichtlich zu keiner Show mit einer vorgefertigten musikalischen Idee. Ich will dass der Raum mit mir spricht und ich möchte ihm direkt antworten. Das klingt Hippie-mäßig, ich weiß, aber es funktioniert! Es gibt bestimmte Resonanzfrequenzen, die sich in einem Raum verbreiten, mit denen ich anstatt sie herauszufiltern viel lieber spiele - den Raum selbst zum Schwingen zu bekommen und dann ein musikalisches Konstrukt innerhalb dieser Schwingung aufbauen - die Leute sagen dann, sie "fühlen" die Musik. Ich habe ein Synthese-System gebaut, das daraus seinen Vorteile zieht und ich freue mich darauf, einige neue Aspekte an unserem gemeinsamen Abend auszuprobieren!
Eine spannende Sache ist das neue Visualisierungssystem das ich verwende, um die Daten die während meiner Performance entstehen zu projezieren. Die Leute können sehen wie die Klänge geformt und in neue Klänge verwandelt werden. Es erlaubt dem Publikum auch zu sehen, dass alles live geschieht und dass durch die Interaktion mit mir auch hörbar und sichtbar mit der Musik interagiert wird.
Tanzatelier Kokü: Klingt verdammt spannend! Es wird ja in der Groovestation auch nicht grad die erste Show sein, die du ablieferst. Wie sehen erfahrungsgemäß die Reaktionen deines Publikums aus - erkennst du oft Fragen in den Augen? Onyx Ashanti: Hahaha, yeah, es dauert bei den meisten Leuten einen Moment um zu kapieren, was sie da wirklich sehen. Aber nach ein paar Minuten kann ich in ihren Augen genau erkennen, wann es sie berührt und sie begreifen, dass alles just in diesem Augenblick live kreiert wird - alles zu ihrem Vergnügen! Das ist ein Kick für mich, den ich kaum beschrieben kann!
Tanzatelier Kokü: Wir konnten lesen, dass du eine Präsentation über dein Beatjazz-System auf einer der bekannten TED-Konferenzen halten durftest. Wie bist du dahin gekommen? War das Ganze eine Art Lohn für deine Arbeit? Onyx Ashanti: Die TED Sache war und ist sehr glücklich für mich. Im April vergangenen Jahres, ein paar Tage nachdem ich einen funktionierenden Prototyp gefertigt hatte, ging ich ins Tacheles Kunsthaus um ihn zu testen. Es war purer Zufall, dass ein Filmemacher namens Tom Pue auch da war um an seinem Dokumentarfilm zu arbeiten - er nahm meine Performance auf seinem iPhone auf. Tags darauf trafen wir uns an selber Stelle und er machte eine richtige Aufnahme mit seiner High-End-Kamera. Ich legte das Ganze dann der erstmalig durchgeführten „Call for Speakers“-Aktion von TED vor - und sie liebten es! Einen Monat später flog ich nach New York, um Beatjazz zu präsentieren. Seitdem nimmt das Projekt erstaunliche Ausmaße an und es wächst in einer Weise, die ich mir nie hätte vorstellen können. Es hat mir also sehr geholfen und ich bin immer noch sehr dankbar dafür ausgewählt worden zu sein.
Tanzatelier Kokü: Wie sind deine Pläne für die Zukunft? Gibt’s noch weitere Projekte an denen du arbeitest? Und überhaupt: Lebst du eigentlich davon oder gibt es doch einen anderen Job, von dem du dich ernährst...? Onyx Ashanti: Ich lebe tatsächlich komplett von meinen Projekten. Ich glaube sogar, man muss von seiner Kunst leben, damit sie die richtige Geltung und Stärke besitzt. Manchmal ist das beängstigend, aber es macht dich kreativ. Ich bereite zur Zeit eine Reihe von Workshops vor, um auch anderen zu zeigen, wie man die Beatjazz-Controller baut und spielt, ich arbeite täglich daran es zu verfeinern. Ich tüftle aktuell an einem 3D-Drucker, genannt „Reprap“, der es mir ermöglicht die nächste Genration des Controllers zu Hause zu bauen - den ersten Versuch hoffe ich dabei zu haben wenn ich nach Dresden komme.
Das Ziel ist die gesamte Musik durcheinander zu wirbeln. Dinge zu integrieren und zu sehen, wohin die Musik gehen möchte, ohne auf Ruhm oder Reichtum aus zu sein. Ich lebe in Berlin und fühle mich einigermaßen sicher und gesund, die Notwendigkeit nach einem großen "Cash out" zu suchen wird dadurch wunderbar reduziert. Für mich wird es besonders interessant zu sehen sein, wie sich all das in den kommenden zehn Jahren wandelt. Für diesen Trip versuche ich mich vorzubereiten. Eines meiner Ziele ist es, dass eure Kinder irgendwann Beatjazz spielen...
Tanzatelier Kokü: Danke dir Onyx - wir freuen uns verdammt riesig dich in der Groovestation zu begrüßen! An deiner Seite wird ja Tom aka tomtomgroove stehen, seines Zeichens DJ und Produzent in Sachen House. Tom, das Genre “House” ist ja eine verdammt große Schublade finde ich - wie beschreibst du deinen musikalischen Stil darüber hinaus? tomtomgroove: Früher habe ich mal gesagt American Style House und Techno. Vielleicht trifft es auch Musik mit Substanz ganz gut. Auf jeden Fall funky mit Seele und nicht selten schmutzig!
tomtomgroove - Rhythmic Trip
tomtomgroove - Mix on RTS FM
Tanzatelier Kokü: Seit wann bist du musikalisch aktiv? Deine Ursprünge liegen ja in Thüringen, wo du unter anderem einer der Organisatoren bekannter Partys in einem alten Gefängnis warst - erzähl uns davon! tomtomgroove: Gut recherchiert. Ja ich bin Thüringer. In den 90ern habe ich mit Freunden unter dem Namen Partyersatztamt Partys organisiert. Das erste Mal aufgelegt habe ich glaube ich 1993, wenn man von den Schuldiscos in der Dorfturnhalle absieht.
Die Geschichte in diesem alten Gefängnis in der Nähe von Erfurt hat uns über die Grenzen von Thüringen hinaus bekannt gemacht. Ich glaube wir haben dort insgesamt 12 Veranstaltungen gemacht. Die Location in dem kleinen Ort Gräfentonna war so abgefahren, wie man es sich nur vorstellen kann, eine Mischung aus mittelalterlicher Burg und Gefängnis – Gewölbe, schmale Gänge, Einzelzellen, ein Burggraben, Wachtürme und ein riesiger Innenhof. Zu DDR Zeiten diente es zur Inhaftierung Jugendlicher, nach der Wende stand es leer. Eines Tages haben wir nach einem Ausflug in den Dixon Plattenladen auf dem Weg von Erfurt zurück nach Mühlhausen einfach mal angehalten. Der Rest ist Geschichte. Zur ersten Party kamen 800 Leute. Flyer gab es nur 200. Das war 1996. Bei der zweiten kamen schon 2000 Gäste. Die Partys lebten von Mund zu Mund Propaganda bis zum Schluss. Die Gäste kamen aus der ganzen Republik. Wir hatten ein Buch, wo sich die Leute mit Adresse verewigen konnten, wir haben dann Flyer zur nächsten Party per Post geschickt. So ging das bis 1998. Bei der letzten Party spielte Sven Väth und über 5000 Leute kamen. Wir haben zu der Zeit in den verschiedensten Locations gefeiert. Von klein und intim in einer Werkstatt eines stillgelegten Steinbruchs über ein altes Heizhaus oder eine leerstehende Metallbauhalle bis riesiger Rave auf Burgen wie der Burg Gleichen bei Wandersleben oder dem Tonnaer Knast. Die eingeladenen Künstler waren ab einem gewissen Zeitpunkt internationale Größen. Es spielten unter anderem Carl Cox, Laurent Garnier, George Morel und David Alvarado neben Woody, Monika Kruse, Karotte und den Partyerstazamt DJs.
Tanzatelier Kokü: Wow, klingt nach einer spannenden Zeit! Du hattest auch bereits die Ehre, an der Red Bull Music Academy teilzunehmen und das mit Erfolg! Wie hast du‘s dahin geschafft? Und was konntest du bei den Workshops alles erleben?! tomtomgroove: Klar mit Erfolg, sonst hätte ich nicht teilnehmen können ;). Das war im Jahr 2000. Es war die erste Red Bull Music Academy, die außerhalb von Deutschland stattfand. Ein Jahr vorher hatte ein guter Freund in Berlin teilgenommen und ich war in den 2 Wochen abends immer mit den Teilnehmern, die aus der ganzen Welt kamen, in Clubs unterwegs. So angefixt habe ich mich im Jahr darauf beworben für die Academy in Dublin und bin tatsächlich eingeladen worden. Es war quasi ein
volles Stipendium – Reise, Kost und Logie und Workshops mit international renommierten Künstlern und Machern aus den verschiedensten modernen Musikrichtungen.
Was habe ich erlebt? Hm. Ich ließ mir die MPC 2000 von Claude Young erklären oder hörte mir an, was
businessmäßig hinter der Veranstaltung Creamfields in Liverpool steckt. King Britt berichtete, wie er einst einen Mixer trashte, weil er vor dem Gang aufs Klo ein Sample im Loop startete. Ich bekam die Chance das Windmill Lane Studio von U2 zu besuchen, wo sie tatsächlich an diesem Tag aufnahmen. Einer von uns RBMA Students, ein House DJ aus Neuseeland, hat dort außerdem sein erstes Stück Musik auf Plastik verewigt bekommen. Ein Tontechniker der Band zeigte uns so, wie ein Dubplate entsteht mit Mastering und allem drum und dran. Der Blick durch eine Lupe, während die Scheibe geschnitten wurde, war faszinierend. Zu sehen, wie die Wellenform der Musik, die wir hörten, auf das Plastik transformiert wurde, war ein großes Aha-Erlebnis für mich.
Für die Zeit der Academy, die auf einem College Gelände stattfand, wurde extra ein FMRadiosender
gestartet, wo alle Teilnehmer eine Show gestalten konnten. Außerdem wurde für jeden von uns ein Gig in einem Dubliner Club oder einer Bar organisiert. Ich habe im The Kitchen gespielt, dem Club von Bono und Edge. Ich könnte noch ewig so weiter machen mit Namedropping und meinen Erlebnissen. Aber ich denke, ihr habt eine Idee davon, was man bei der Red Bull Music Academy erlebt. Diese Begegnung mit Menschen aus der ganzen Welt, die Musik lieben und ihr Leben damit gestalten ob professionell oder nicht, ist bis heute ein Höhepunkt meiner 34 Jahre hier.
Tanzatelier Kokü: Du und Onyx, ihr kennt euch und kommt zu einem gemeinsamen Auftritt nach Dresden. Wie und wo habt ihr euch kennengelernt? tomtomgroove: Wir haben uns bei einem Gig in Berlin Mitte im ZMF Club kennengelernt. Der Abend war nicht sonderlich gut besucht und so hatten wir Künstler viel Zeit für uns. Onyx und ich haben irgendwann angefangen zu jammen. Ich spielte Platten und er, damals noch mit seinem EWI aus Serienproduktion, spielte Synths und Beats drüber.
Tanzatelier Kokü: Die Chemie zwischen euch scheint ja zu stimmen - gibt es öfters gemeinsame Shows? Und wie plant ihr euren Auftritt auf der Bühne?! tomtomgroove: Onyx und ich sind Freunde. Wir treten aber eher selten zusammen auf. Es gibt bis dato auch keinerlei Vorbereitungen für eine gemeinsame Show. Wenn wir zusammen irgendwo spielen, dann ist das, was wir gemeinsam machen, total improvisiert. Eine Jamsession mit Vinyl und Onyx' wahnsinnigem Instrument. Onyx arbeitet ja immer noch wie besessen an seinem Beatjazz
Controller und ich konzentriere mich im Moment auf mein Studium. Und wer weiß, was wir beide
aushecken, wenn wir mit der jetzigen Phase in unserem Leben fertig sind. Ich bin selber gespannt.