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°spezialClubkulturDie Geschichte des SCH!CHT Chill Out Team
Auf einen Blick
Das ist ja mal lange her, aber so richtig richtig lange. Die Macher des SCH!CHT-Magazins, eines der ersten Technomagazine in Sachsen, nutzten ihre freie Zeit früher auch mit dem Bespielen von Partys - und waren gern gesehene DJs, dies kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Für das Jenaer Magazin Rave Strikes Back erinnert sich Sören "Sonne" Hörig - einer der Protagonisten des SCH!CHT-Teams - an diese Zeit zurück; es waren wundervolle Jahre. banq.de darf aus diesem Rückblick übernehmen, wir tun dies teilweise (Bilder verbleiben im Originalartikel) und zeigen unseren Respekt, indem wir auf den Originalartikel verlinken. Na dann, viel Spaß beim Lesen.
Im Umfeld des damaligen SCH!CHT-Fanzine Dresden entdeckte man die Liebe zur Ambientmusik. Sören Hörig aka Tappo Kontakt hat exklusiv nochmal Resümee passieren lassen und gibt Einblicke, wie eine kleine Crew von Ambient “erfasst” wurde. Im Oktober 1994 öffnet ein neuer Club in Dresden: das “Sub” in der Markthalle am Bahnhof Mitte. Wegen unseres steigenden Interesses an Ambient-Musik erhält die Crew des SCH!CHT-Fanzines über Communder D von Saxony Productions, der ebenfalls dort gebucht ist, eine Anfrage, im Chill-Out-Raum aufzulegen. Natürlich sagen wir sofort zu. Dieser Abend ist das Debüt und die Gründung des SCH!CHT CHILL OUT TEAM, bestehend aus Sven „Grace“ Haubold, Roland Ladwig und mir, Sören „Sonne“ Hörig. Grace hat ein paar Scheiben von Reflective Records und Astralwerks und Roland eine größere Sammlung passender Platten. Weil ich keine richtigen Ambient-Platten habe, spiele ich eben ein paar ruhigere Tracks meiner Platten, etwa den Northstar Remix von DJ Hell’s „Definition Of House“, „Late Night“ von Jeff Mills und eine Version der Golden Girls „Kinetic“ ohne Beats. Es macht uns auf Anhieb großen Spaß, Chillout DJ’s zu sein. Und ich brauch’ dringend mehr Platten… Unser nächster Einsatz findet am 28.01.1995 bei „Plastic Phreak“ in der Leipziger Straße in Dresden statt. Inzwischen führen unsere individuellen klanglichen Vorlieben zu einer gewissen “Arbeitsteilung”: Für melodischen Klangfelder – wir nennen sie „Flächen“ – sind Grace (eher spacig) and Roland (mehr in Richtung Dub) zuständig. Ich baue dann die Brücke zur nicht ganz so harmonischen dunklen Seite. Aber irgendwie mag doch jeder auch das, was der andere spielt. So geht die Reise von Spacetime Continuum über die Jumpin’ & Pumpin’ Sampler und Rising High zur „Mondlandung“ von MEGO. Und das Publikum? Keely von der Rave Posse Freiberg schreibt in seinem Party Review – nachzulesen in unserer 20.Ausgabe: “… unser Ambient-Experte hat es bis in den Chill-Out geschafft und von dort konnte ihn nichts und niemand herausbewegen. Ein grosses Lob an das SCHICHT!-Team! Gemütliche Plätze, dezentes Licht, duftende Stäbchen und absolut-geniale Klänge…” Ein bärtiger Thüringer in Jeans empfindet letzteres offenbar ganz anders und schlägt ernsthaft vor, mal was von den Stones zu spielen. In der Folgezeit wird “Spiel dor ma was von de Sdoons!” unser beliebtester Running Gag bei Gigs. Parallel spielt Ambient eine stärkere Rolle in dem Fanzine SCH!CHT. Wir kaufen und rezensieren Platten und bringen Interviews mit System 7, Mego Recordings, Spacetime Continuum, Drome, Dave Being und anderen. Am 10. Juni spielen wir zusammen mit Binne aus Freital auf der letzten „Planar“-Party in der Erfurter Strasse. Der Chillout befindet sich vor dem Gebäude unter der – nur zu diesem Anlaß – weiß getünchten Fassade. Die Nacht ist sehr mild und das Auflegen unter freiem Himmel gibt unserer Musik eine ganz neue Dimension. So sind wir glücklich und traurig zugleich, dabeisein zu können. Ähnlich glücklich sind wir bei unserem zweiten Plastic-Phreak-Gig bei “Sync II” am 23. Juni, wieder auf der Leipziger. Der Chill Out ist mit weißen Papierstreifen und Lichterketten verziert. Die Auflegereien in dem hölzernen Dachgeschoß dieser Baracke werden wir wohl in bester Erinnerung behalten. Irgendwann im Juli ruft Major Tom bei uns an: Party in der Reicker Straße, Platten mitbringen. Mit meinem kleinen “Partyrover”, einem Trabant 601, fahren wir vor dem sechsstöckigen Industriegebäude vor. Durch seine Größe ist es nicht zu übersehen zwischen den eher niedrigen Gebäuden in der Umgebung und die Party steigt gaaanz oben. Äußerst unauffällig. Drinnen muß man über eine völlig zerstörte Treppe klettern. Mit reichlich Gepäck. Kaum angefangen, kamen auch schon die Bullen. “Schluß Kinners!” Nicht wirklich unerwartet. Wir schnappen unsere Platten und flüchten zusammen mit dem Major zum Auto. Aber nach einigen Metern stoppen sie uns. Alles aussteigen, Ausweiskontrolle, Führerschein, Fahrzeugpapiere. Verhör: „Wieviele war’nd’n jetz da drinn in dem Trabbi?“ – „Keine Ahnung. Wir zählen doch nicht nach, wenn wir einsteigen.“ „Mein’ ja bloß, weil nur viere zugelassen sind. Is wischtsch. Was iss’n im Kofferrraum?“ Abgesehen vom Ersatzrad und meiner Werkzeugkiste ist der voller Plattenkisten. Der Wachtmeister schwafelt was von kompletter Disco-Ausstattung, findet aber letztlich nichts Verdächtiges (wir waren auch nur zu viert) und läßt uns fahren. Wir steuern die Villa an, wo Dezibel und Smiley auflegen. Als sich die Party dem Ende neigt und wir draußen stehen, kommt jemand mit ‘nem VW-Bus, hält an und brüllt irgendwas von “geht vor’m Hardwax weiter”. Das haben wir aber sein gelassen. In einem Militärladen kaufe ich einen US-Panzerhelm und bastle einen Chinch-Stecker an das Sprechfunkkabel, um ihn als Kopfhörer zum Auflegen zu nutzen. Vorn drauf steht in freundlichen silbernen Buchstaben geschrieben „BORN TO CHILL“. Den Rest der Geschichte findet sich unter www.rave-strikes-back.de/?page_id=2737. Es lohnt sich, lohnt sich sehr :) Vielen Dank an das "Rave Strikes Back"-Team dafür, dass wir den Text übernehmen durften. Ein Link zum letzten Schnappschuss des SCH!CHT-Magazins.
Sören "Sonne", toci, °Andreas (15.03.2012)
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