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Künstlerportrait

Grandmaster Flash

Vor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...

Auf einen Blick
Was
:
THE FIRST DJ TO MAKE THE TURNTABLES AN INSTRUMENT
Wer
:
Grandmaster Flash, Eskei83, Masta D.
Wann
:
18.05.2012 | 22 Uhr
Wo
:
Showboxx
Freikarten
:
2x2

Die hohe Kunst des DJing wäre in ihrer heutige Form wohl nicht denkbar ohne die unkonventionellen Experimente des blitzenden Großmeister mit dem bis heute in der Club-Kultur zentralen Musikabspielgerät namens Turntable. Damit zählt Joseph Saddler nicht nur zu den Pioniere des Hip Hop sondern auch den Begründern eines ganzen Genrespektrums.
Bereits Mitte der Siebziger Jahre entwickelte er unter seinem Künstlernamen DJ Grandmaster Flash einen Großteil der Techniken, die bis heute die Jockey-Kunst auszeichnen. Neben dem Phasing, Backspinning und teils rein akrobatischen Techniken findet besonders das von ihm perfektionierte Cutting heute auch regelmäßige Anwendung fernab des Rap. Nur die Erfindung des Scratchens steht nachweislich nicht auf Saddlers Kerbholz, sondern wird seiner Entdeckung Grand Wizard Theodore zugeschrieben, was Flashs Bedeutung für die technische Seite des DJing jedoch in keiner Weise mindert.

Künstlerportrait Grandmaster Flash

Flashs Liebe zu Schallplatten entstammt wie so oft dem Reiz des Verbotenen, denn in seinem Elternhaus gab es drei eiserne Regeln: Geh nicht ins Wohnzimmer, geh nicht an den Plattenschrank deines Vaters und fasse schon gar nicht die Stereoanlage im Wohnzimmer an! Doch wenn sein Vater zur Arbeit ging, wartete er nur, bis die Tür zufiel, holte sich einen Stuhl aus der Küche, öffnete auf dem Stuhl und den Zehenspitzen stehend den Plattenschrank und holte eines dieser dunklen Stücke Plastik mit diesen Rillen hervor, die noch Genrationen nach ihm bis zum heutigen Tage beflügeln sollten. Dann machte er es wie sein Vater, wenn er gestresst von der Arbeit kam: Er setzte sich in den Sessel und hörte sich Platte an. "Es hat mich damals schon fasziniert, wie Musik in diesen schwarzen Rillen leben kann", so der Grandmaster einmal über die Magie des schwarzen Goldes.

Künstlerportrait Grandmaster Flash

Seine zweite große Faszination für die Technik ist ebenso schlicht wie essenziell für Flashs weiteren Werdegang, der ursprünglich mal Elektriker werden wollte. Mit selbst gebauten Soundsystemen organisiert der Technik-Freak seine ersten eigenen Partys. Diese legendären Mixing-Shows des Vinyl-Virtuosen nehmen ihren Anfang in der Bronx der frühen 70er Jahre und begeistern ihre Zuhörer mit spektakulären Tricks wie dem Bedienen der Plattenteller hinter dem Rücken oder mit den Füßen. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen Kool Herc oder Afrika Bambaataa, die einen ähnlichen Rang in der Historie der Hip-Hop-Kultur genießen, versteht es Flash schon früh, die Tanzfläche nicht nur mittels seine Selektion zum Kochen zu bringen sondern auch ein guter Entertainer zu sein.

Künstlerportrait Grandmaster Flash

Der erste nennenswerte Erfolg tritt ein, als sich die verrückten und damals einzigartigen Techniken des jungen Flash herumsprechen. Immer mehr MCs kommen zu seinen Blockparties und wollen über seine Beats rappen. So schließt er sich mit diversen Rappern zur Band "Grandmaster Flash & The Furious Five" zusammen. Neben Cowboy, den Brüdern Kid Creole und Melle Mel stoßen wenig später Scorpio und Raheim dazu und so ist das Sextett komplett. Die ersten beiden Singles floppen zwar, aber nach dem Wechsel zu Sugarhill Records erscheint 1980 mit "Freedom" der erste Longplayer. Der eigentlich Durchbruch gelang jedoch erst '82 mit dem legendären Release "The Message". Flash erntet zwar auch für die folgenden Veröffentlichung viel Ruhm und Ansehen bei Kritik und Fans, doch kommerziell erfolgreiche Verkaufsschlager landet er keine mehr. Erst 20 Jahre nach seiner letzten Album-Release gibt sich der legendäre Meister wieder die Ehre. Auf "The Bridge: Concept Of A Culture" tummeln sich jedoch haufenweise illustre Gäste von Big Daddy Kane und Snoop Dogg über Q-Tip bis hin zu Busta Rhymes und KRS-One.

Trotz dieser langen Ruhephase bleibt ihm die Ehrung durch die Musikindustrie nicht verwehrt. So empfängt er 2003 den Billboard Music Award, 2007 erhält er mit seinen Furious Five als erste Hip-Hop-Band überhaupt einen Platz in der Rock'n'Roll Hall of Fame, dem es bislang nur Run DMC gleich tun konnte. Wenig später folgt darüber hinaus auch eine Auszeichnung für sein gesamtes Lebenswerk durch die RIAA, dem Verband der Musikindustrie in den USA.

Thamash Kestawitz (14.05.2012)
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