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°spezialKünstlerportraitGonjasufiVor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...
Auf einen Blick
Sportzigarette und Rastafari-Attitüde gehören spätestens seit Bob zu guter Bassmusik und farbenfrohem Sprechgesang, sind aber dadurch auch so klischeehaft wie Trillerpfeife und Tellerpupillen beim Rummel-Techno. Doch bei Sumach Valentine alias Gonjasufi kristallisiert der würzige Marihuana-Nebel zu derat hypnotischen Klängen, die jedem Klischee spotten und so authentisch sind wie der Turn eines daumendicken Blunts.
Sein Debütalbum, das vor gut 2 Jahren auf dem immer noch regelmäßig Meilenstein setzenden Label WARP erschien und von Flying Lotus eingetütet wurde, verstörte die Kritiker und verblüfft das Publikum gleichermaßen. Strangness in Reinkultur, die aus andern Sphären zu kommen scheint. Mit "MU.ZZ.LE" schließt der schräge Shisha-Schamane aus Las Vegas nahtlos daran an und öffnet darüber hinaus noch eine weitere psychedelische Pforte.
Das aktuelle Mini-Album des sympathischen Dreadlock-Dudes verdampft erneut die Grenzen zwischen Experimental Hiphop, Dub, Wonky und Triphop in dicke Schwaden, die sich klanglich zu ekstatischen Pittoresken verweben. Die Freundschaft mit den L.A.-Leoparden Gaslamp Killer oder Fly-Lo manifestiert sich so sogar im Spektrum von Synkopie und Semantik. Aber auch inhaltlich ist der Sound mit politischer und philosophische Statements der düsteren Art bleischwer wie rote Libanesenlieder.
Doch wer nur stonedtes Gestammel erwartet, täuscht sich. Songs und Texte entstanden hauptsächlich in der meditativen Einsamkeit, die der Yogalehre während der häufigen Reisen nicht nur zwangsläufig erfährt, sondern gezielt sucht. Dabei verarbeitet er auch alte Fabeln des Sufismus, dem Mystizismus des Islam, und zitiert Gelehrte wie Sufimeister Hazrat Inayat Khan. Aber auch genug eigene Lebensweisheiten wurden dem Yogi zuteil, der nach dem wohlbehüteten College lange auf den Straßen und Stränden Kaliforniens lungerte. Erst mit der eigenen Entdeckung der Religion gelangte Gonja zurück in geregelte Strukturen und widmete sich nun auch wieder der Musik.
Den interessierten Lauschern bietet sich mit dem nach einer Tropenpflanze benannten Sohn eines Botanikers also mehr als nur ein triviales Trip-Hop-Revival, dass den freigeistigen Hopper nicht nur trippen sondern auch grübeln lässt. Weltverbesserung und Weisheit kommen bei Gonjasufi auch ohne plakativen Pragmatismus aus. Nichtsdestotrotz hat er extreme Meinungen ohne jedoch einer der religiösen Extremisten zu sein, für die seine Glaubensbrüder so oft gehalten werden, egal ob berechtigt oder nicht.
Thamash Kestawitz (18.06.2012)
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