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KünstlerportraitJonas Woehl |
°spezialKünstlerportraitJonas WoehlVor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...
Auf einen Blick
Die alten Hasen klammern sich gern an bewährtes - die gleichen alteingesessenen Musikgrößen, die gleichen etablierten Festivals und gleiche alte Leier, dass früher alles besser war. Aber wo bliebe der Fortschritt ohne Verjüngung. Frische Ideen und jugendlicher Enthusiasmus haben schon immer Subkulturen begründet und Szenen erst spannend gemacht.
Thamash: Am Anfang steht natürlich die uralte Urknallfrage: Wann und wodurch hat es bei dir geknallt und was gab den Ausschlag einen Liveact zu konzipieren? Gibt es dich überhaupt noch als DJ zu erleben? Jonas Woehl: Angefangen hat das für mich alles ca. vor 2 Jahren, als ich gerade 17 geworden war. Ich war damals eigentlich nur der durchschnittliche Musikkonsument, war aber dann recht schnell mit meinen ersten Clubbesuchen von der Musik, damals vorrangig Electro und House, und den DJs fasziniert und fing an, zu Hause für mich herumzuprobieren. Schnell fand ich heraus, dass Sets zusammenstellen und -mixen recht simpel ist und die Sache verlor recht schnell Reiz für mich. Als ich bemerkte, dass neben dem Sammelbegriff DJ ja auch der Produzent existiert, führte eins zum Anderen. Die ersten Gehversuche entstanden und scheiterten recht schnell, doch vermutlich den Sommerferien geschuldet, die ich damals hatte, blieb ich dran und mit der Zeit entstanden dann ein zwei Sachen, die nicht nur mir, sondern auch ein paar meiner Bekannten gefielen. Nebenher hatte ich immer mal ein zwei Sets zusammengebastelt aber der zentrale Punkt, der mich an DJ-Sets störte, war, dass es irgendwo da draußen immer einen anderen DJ geben wird, der mindestens die Hälfte der Tracks, die ich mir auserkoren hatte, auch spielen würde - da fehlte mir die Individualität. Das führte dann auch eigentlich im gleichen Gedankengang zu dem Wunsch, als Liveact aufzutreten, welcher dann im Februar 2011 in Erfüllung ging. Seither spiele ich ausschließlich live und lausche lieber anderen DJs und ihren Sets. Live-Set: schmidtcast030 – Jonas Woehl Thamash: Als einen deiner größten lokalen Einflüsse bezeichnest du ja Alec Troniq von Ipoly Music? Warum ist Alec für dich so prägend und müsste eine Kooperation mit ihm da nicht in der Top5 deines Weihnachtsmann-Wunschzettels stehen?
Jonas Woehl: Alec Troniq war so ziemlich der erste größere Szenemusiker, dem ich damals durch den Rat eines gemeinsamen Bekannten Sachen mit der Bitte schickte, dass, wenn er Zeit und ein Ohr frei hätte, er mir doch mal seine Meinung dazu kundtun könnte. Mit einem Großteil seiner Tracks konnte und kann ich mich und meinen Musikgeschmack identifizieren und für mich ist er bis heute jemand, vor dem ich sehr großen Respekt habe und zu dem ich aufblicke. Seine Kritik habe ich mir natürlich postwendend zu Herzen genommen und ich denke, dass sie in der Phase enorm wichtig für mich war.
Thamash: Beim Laptop-Battle bist im vergangenes Jahr erstmalig auch einem breiteren Spektrum von Musikliebhabern ins Auge gefallen. Hast du dich aus Eigeninitiative beworben und was ist dein Resümee dieses doch recht ungewöhnlichen Musiker-Wettstreits? Jonas Woehl: Ich hatte bereits im Jahr zuvor von dem Laptop-Battle erfahren und war sehr angetan, sowohl von dem Konzept als auch von den daraus resultierenden Tracks. Nun bin ich eigentlich niemand, der sich irgendwo reindrängt. Ich habe einfach Steve gefragt, welcher vergangenes Jahr das Alte Wettbüro dann sogar als Sieger verließ, ob sie noch einen Act suchen würden, und dann hatte sich das so ergeben. Unabhängig von dem Ausgang des Laptop-Battles für mich, war es eine tolle Erfahrung, welche ich gern dieses Jahr erneuern würde. Zu sehen und hören, was andere, welche die ganze Sache genauso intensiv betreiben wie man selbst, aus dem gleichen Grundmaterial schaffen, ist eine tolle Sache.
Thamash: Bislang verzeichnest du ja ausschließlich digitale Veröffentlichungen in deiner noch jungen Diskografie. Wäre da ein physisches Release wie z. B. auf Vinyl etwas besonderes und erstrebenswertes für dich oder sind in deinen Augen klassischen Tonträger nicht mehr zeitgemäß? Jonas Woehl: Nein, ganz im Gegenteil. Ich sehe das so, dass digital veröffentlichen heutzutage eigentlich jeder mit verhältnismäßig geringem Aufwand kann und der Markt wird damit ja auch überflutet. Was aber auch sicherlich mit darin begründet ist, dass digitale Releases einen bei weitem unkritischeren finanziellen Faktor darstellen im Gegensatz zu physischen Releases. Vinyl ist für mich persönlich sehr erstrebenswert, bisher hat sich leider nur noch kein Label gefunden, dass diesen Weg mit mir gehen will.
Thamash: Nun lüfte doch bitte das Geheimnis um dein neues Label Phatétique, das du erst kürzlich mit einigen jungen Dresdner Elektronik-Enthusiasten aus der Taufe gehoben hast. Warum der Schritt, wer ist alles dabei, was ist die Devise und wo soll es hingehen? Jonas Woehl: Ich bin jemand, der so viel wie möglich mit Musik arbeiten will. Das fängt beim Produzieren an, geht über live spielen, aber auch bis hin zu Veranstaltungsplanungen und Schreibtischarbeiten. Des weiteren finden sich in meinem Bekanntenkreis ein paar Leute, die meiner Meinung nach richtig gute Musik produzieren, aber fast keinerlei Basis haben, auf der sie das veröffentlichen können. Genau dafür habe ich Pathétique ins Leben gerufen. Alle Acts, neben mir sechs weitere, kenne und mag ich, das ist mir sehr wichtig für die Zusammenarbeit. Zwei von ihnen kommen hier aus Dresden, zwei aus Leipzig, einer aus Berlin und einer aus Merseburg. Mein Ziel ist es ganz einfach, mit unveröffentlichter Musik, die ich mag und die mich tagtäglich begleitet, von Leuten, die ich persönlich kenne, zu arbeiten und sie anderen zu präsentieren. Unser erstes Release wird in den nächsten Wochen herauskommen und beinhaltet einen Track von mir mit zwei Remixes von iami und Johannes Gemuerr von der besagten Leipziger Fraktion. Ich bin gespannt, wie das Projekt ankommen wird. Preview: Pathétique 001: Jonas Woehl - Breathe (Original Mix) Thamash: Deine aktuelle Booking-Liste ist für einen Newcomer wirklich beachtlich. Du bist jetzt fast jedes Wochenende von der Werkstatt Köln über den RAW Temple Berlin bis hin zum SASS in Wien quer durch den deutschsprachigen Raum unterwegs. Was ist dein Geheimnis für die vielen Buchungen? Netzwerk, Net-Releases oder etwa Nächstenliebe?
Jonas Woehl: Dazu muss ich sagen, dass ich absolut kein Fan von diesen Nächstenliebe-Geschichten bin. Für mich verliert sich da der Fokus auf die Musik und es geht viel mehr darum, wen man alles wie gut kennt. Das finde ich schade. Mir ist wichtig, dass die Veranstalter auf mich zukommen.
Thamash: Die Festivalsession ist unlängst eröffnet und du bist auch dabei. Neben dem Reich & Schön spielst du ja auch auf dem fabulösen Moxxom, das in Kennerkreisen schon als der Nachfolger der legendären Nachtdigital gepriesen wird. Haben Open-Air-Auftritte für dich noch den besonderen Kitzel, den man ihnen immer nachsagt oder sind das Gigs wie alle andern?
Jonas Woehl: Die Frage kann ich so konkret gar nicht beantworten, da es für mich die erste Open-Air-Saison ist, die ich auch als Act miterlebe. Ich war auf einigen Open-Airs, wo die Stimmung so unglaublich schön und befreit war, jedoch haben Clubnächte für mich mindestens den gleichen Reiz. Trotzdem denke ich nicht, dass man das so direkt vergleichen kann. Ich kann beiden Seiten viel abgewinnen. Video: Jonas Woehl Portrait von SunnyPicturesTV Thamash: Wie sehen deine Pläne für die zweite Hälfte 2012 und das kommende Jahr aus? Juckt es dir schon in den Fingern mal einen Longplayer oder einen Genre-Wechsel zu wagen? Jonas Woehl: In erster Linie freue ich mich auf die Gigs, die schon bestätigt sind und hoffe natürlich, dass da noch ein oder zwei dazukommen werden. Mein Ziel in diesem Jahr ist es in jedem Falle noch, das Projekt Vinyl-Release anzugehen. Genre-Wechsel sind bei mir in der letzten Zeit bereits vorgekommen - Glitch und Ambient reizen mich sehr und es macht Spaß, sich da ohne Erwartungshaltungen von außen auszuprobieren. Des weiteren will ich noch mindestens eine Pathétique-Labelnight veranstalten, nachdem die erste im April diesen Jahres hier im Sputnik wirklich hübsch gewesen ist.
Thamash Kestawitz (30.06.2012)
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