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Künstlerportrait

Jacob Stoy

°spezial

Künstlerportrait

Jacob Stoy

Vor langer Zeit durch das Distillery-Printmagazin DRUNK angeregt, ...

Auf einen Blick
Was
:
Proximity Open Air 2012
Wer
:
u. a. Jacob Stoy LIVE, Redshape LIVE, Korn LIVE, Insect O. LIVE, Mike Dehnert, Cuthead, u.v.m.
Wann
:
11.08.2012 | 20 Uhr
Wo
:
Naturbad Schlegler Teiche

Was haben die Käffer Rabenau und Schlegel gemeinsam? Nein, keine schlagenden Rabeneltern, die Hartzies zeugen, ganz im Gegenteil. Nein, diese beiden beschaulichen Nester sind die Wiegen von elektronischer Eklektik mit unverbrauchtem Ossi-Charm. Dabei ist Rabenau als Vorort von Freital der Heimatort von Jacob Stoy, dem jüngsten und gleichzeitig vielversprechendsten Spross des Uncanny Camps, und Schlegel der Austragungsort des 7. Proximity Open Airs, auf dem besagter Jacob zusammen mit seinen Valley-Verwandten eine eigene Stage bespielen wird.
Bereits als Laptopbattle-Zweiter verblüffte er 2011 mit seinen aus dem Nichts kommen zu scheinenden Liveact-Qualitäten und legte dieses Jahr prompt mit seinem Vinyl-Debüt "S51" nach.Zusammen mit Jugendfreund Felix Meyer sind die beiden zudem als DJ-Duo Tubbotronic und Producer-Team Furutaka unterwegs. Im Interview berichtet er von Nestbau und Zukunftsschau.

Künstlerportrait Jacob Stoy

Thamash: Nicht nur die Musikpresse sondern auch deine Musikerkollegen bezeichnen dich gern liebevoll als Nesthäkchen und Provinzler? Empfindest du das als Nachteil oder eher als Stärke, denn Naivität kann ja durchaus auch ein Stück Unvoreingenommenheit gegenüber neuen Wegen bedeuten?

Jacob Stoy: Es ist am Anfang ein Nachteil. Man kann schnell das Gefühl bekommen, nicht wirklich wahrgenommen zu werden. Ein Nesthäkchen das war ich schon immer. Ich war größtenteils der Jüngste, was mich bis jetzt verfolgt. Aber in den nächsten Jahren wird sich das ändern. Auch ich werde nicht jünger.
Als Provinzler ist man nicht unbedingt unvoreingenommen, durch das World Wide Web bekommt man selbst im kleinsten Dorf mit, trotz langsamen Internets, was in der großen weiten Welt passiert. Ein Provinzler ist erfahrungsgemäß oft voreingenommener als ein Städter, muss er aber auch nicht nicht.
Die Provinz hat mich definitiv geprägt. In Verbindung mit dem Städtertum wurde ich zu dem, der ich heute bin. Ich finde es oft sehr hilfreich mit der Naivität zu spielen, dadurch entstehen wundervolle Dinge, die man sich nie erträumt hätte. Das klingt jetzt zwar bisschen nach meinen Moabiter Nachbarn, doch was ich am wichtigsten finde ich, Respekt vor dem Neuen zu haben.

Thamash: Auf dem musikalisch Parkett Dresdens bist du erstmalig mit deinem Jugendfreund und DJ-Partner Felix Meyer als Tubbotronic in Erscheinung getreten. Wie habt ihr damals zusammengefunden und gibt es euch gelegentlich noch als Duo zu hören?

Jacob Stoy: Als wir uns kennen lernten waren wir beide begeisterte Mountainbike-Fahrer. Wir haben uns am Anfang nur durch Zufall getroffen und haben Stück für Stück unsere Gemeinsamkeiten erkannt. Musik war ein großen Gesprächsthema und führte bald dazu, das Felix mich einlud zum gemeinsamen musizieren. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir das gemacht haben, aber irgendwann fragte er mich, ob ich mit ihm auf einer Party spielen möchte, gemeinsam versteht sich. Und so wurde Tubbotronic gegründet.
Wenn wir noch als Duo zuhören sind, dann nur wenn sich die Möglichkeit bietet. Es ist schon etwas schwieriger geworden mit der Entfernung. Aus 2 Minuten sind 2 Stunden geworden, dennoch ist es immer wieder schön, mit ihm zu spielen.

Video: Jacob Stoy - S51

Thamash: Du hast dein Live-Set ja zur Verblüffung aller in Rekordzeit zusammengestellt. Was waren deine Beweggründe, deinen Sound so abrupt auch live inszenieren zu wollen?

Jacob Stoy: Ich wollte eigentlich nicht und hatte mir auch noch keine Laus in den Kopf gesetzt, das mal machen zu wollen. Aber als mich Carl nach dem Laptop-Battle fragte, fand ich die Idee schon interessant und habe das einfach mal gemacht. Im Wettbüro kam das Set ziemlich gut an, was dann zufolge hatte, dass mich die Lust gepackt hat, weiter zu experimentieren. Für mich ist es aber jedes mal eine große Herausforderung, meine eigene Stücke zu zeigen und die Reaktion des Publikums abzuwarten.

Thamash: Deine Teilnahme beim Laptop-Battle 2011 war dann eine der ersten Möglichkeiten, deine Schrauberkünste zu erleben. War der klangliche Controller-Wettkampf für dich eine zusätzliche Motivation und möchtest du dieses Jahr gern wieder teilnehmen?

Jacob Stoy: Motivation? Ich weiß ehrlich gesagt nicht so richtig. Ich war einfach gespannt, was wir Teilnehmer alles in knapp einer Woche zustande bekommen. Ich würde gern wieder mitmachen, aber vorher noch mal ein bisschen an meiner Performance-Qualität und Fingerfertigkeit feilen.

Künstlerportrait Jacob Stoy

Thamash: Wie bist du denn dann überhaupt ins Uncanny Camp gerutscht? Hat man dich einfach einkassiert oder hast du gezielt den Kontakt zu Valley-Crew gesucht?

Jacob Stoy: Ich bin da so reingerutscht. Felix hat mit Albrecht recht viel Kontakt gehabt und ich dann auch, weil ich für seine Party-Reihe "Dont be Affraid of …" im vergangenen Jahr Flyer gestaltet habe. Durch ihn haben wir dann den Rest der Bande kennengelernt. Ich als Musiker habe viel und werde wahrscheinlich noch viel von den Uncannys lernen.

Thamash: Nun bist du ja sogar auf der Uncanny-Valley-Stage beim Proximity Open Air vertreten. Stellen Festival-Gigs für dich etwas besonderes dar oder sind es Auftritte wie alle andern?

Jacob Stoy: Nein, ein Gig ist ein Gig. Was ich interessanter finde ist die Uhrzeit und der Ort. Das spielt eine tendenzielle Rolle bei der Vorbereitung. Nachts versuche ich mehr tanzbare Stücke einzubauen. Ich hab auch mehrere ordentlich holpernde Stücke in meiner Sammlung. Die lass ich dann lieber doch auf der Festplatte. Mit zu schwierigen Tracks kann man im Techno-Bereich sein Publikum leider leicht vergraulen. Aber das kann ich gut nachvollziehen, die Leute wollen tanzen. Tagsüber oder bei Sitzveranstaltungen kann man mal etwas experimenteller werden und mal neue Dinge ausprobieren.

Player: Jacob Stoy - Live @ UV Betriebsweihnachtsfeier - Wettbüro Dresden - 2011-12-25

Thamash: Derzeit wohnst du in Berlin. Bist du der Meinung, dass man auch heute noch in einer internationalen Metropole leben muss, um musikalisch schneller erfolgreich zu sein, oder spielt das dank Internet und Globalisierung keine Rolle mehr?

Jacob Stoy: Dank des Internets muss man wirklich in keiner Metropole mehr wohnen, wenn man das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Okay, man merkt schon, dass in Berlin etwas mehr los ist für Musikliebhaber, was wirklich schön ist. Man kommt auch einfach schneller mit verschieden Leuten in Kontakt als in Dresden. Damit meine ich Leute, die man vorher noch nie gesehen hat. Das dient aber viel mehr als Inspirationquelle.
Ich verarbeite recht viel in meiner Musik. Was genau, kann ich meist nicht sagen, aber nach einer Session mit MPC und Synthies fühle ich mich wirklich besser. Ob das Ergebnis brauchbar ist, spielt dabei erstmal keine Rolle.

Thamash: Kannst du schon verraten, was uns dieses Jahr noch aus deinem Studio erwartet und welche Pläne es eventuell für 2013 gibt?

Jacob Stoy: Ich bin fleißig am Experimentieren mit meinen Gerätschaften. Aber das vorerst nächste Ziel ist meine eigene Platte auf Uncanny Valley. Sonst hoffe ich in den nächsten Jahren mehr mit anderen Leuten zu machen. Ein großes Ziel ist es bis mindestens 2050, mal in einer Punkband gespielt zu haben.

Künstlerportrait Jacob Stoy

Thamash: Herzlichen Dank für deine Zeit und frohes Studioschaffen weiterhin.

Jacob Stoy: Danke und bis bald.

Thamash Kestawitz (01.08.2012)
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